Mülheimer CDU zur rot-grünen Schulpolitik
CDU: „Bildungspolitische Klarheit oder Flickenteppich?" Eine erste bildungspolitische Analyse des Koalitionsvertrages der neuen rot-grünen Landesregierung zeigt nach Ansicht des CDU-Kreispartei- und Fraktionsvorstandsmitgliedes und bildungspolitischen Sprechers der Mülheimer CDU, Heiko Hendriks (im Bild), „leider mehr Baustellen und offene Fragen als wirkliche an der Realität umsetzbare Lösungsvorschläge".
- Stichwort: Einrichtung Gemeinschaftsschulen
Im rot-grünen Koalitionsvertrag ist festgehalten, dass mindestens 30 % aller allgemeinbildenden Schulen nach fünf Jahren Gemeinschaftsschulen sein sollen. Neue Schulen - also auch in Schulverbünde eingebrachte bestehende Schulen - sind in der Regel als Gemeinschaftsschulen zu führen. In ihr können sich im Sekundarstufe I-Bereich alle Schulformen zusammenschließen. Dort findet in der 5. und 6. Klasse ein gemeinsamer Unterricht statt. Schule, Schulträger und Eltern entscheiden darüber, wie es ab Klasse 7 weitergeht: integriert oder differenziert. Gemeinschaftsschulen sollen gymnasiale Standards beinhalten.
Eine Definition, was hierunter zu verstehen ist, fehlt gänzlich. Ebenso ist nach Ansicht von Heiko Hendriks die Frage nicht beantwortet worden, wie dies konkret - pädagogisch und finanziell - von den Kommunen umgesetzt werden soll. Auch sei es ein Trugschluss zu glauben, dass z.B. ein Mülheimer Gymnasium freiwillig für die 5. und 6. Klasse erklärt, auch Schüler ohne Gymnasialeignung haben zu wollen. Fazit: Wer die Einrichtung von Gemeinschaftsschulen dergestalt forciert, will letztendlich Haupt-, Gesamt- und Realschulen sowie Gymnasien mittelfristig abschaffen.
- Stichwort: Schulempfehlung
Nach dem Willen von Rot-Grün soll die verbindliche Empfehlung für die weiterführenden Schulen seitens der Lehrerschaft wieder abgeschafft werden, zugunsten der freien Wahl der Eltern. Dies wäre, wenn es mittelfristig nur noch Gemeinschaft- oder Einheitsschulen gäbe, sicherlich konsequent. Zum jetzigen Zeitpunkt ist dies allerdings fahrlässig, da letztendlich in den meisten Fällen nur die Lehrerinnen und Lehrer wirklich beurteilen können, welche Schulform für welches Kind am besten geeignet ist.
- Stichwort: Förderung Gesamtschule
Die neue Landesregierung plant, die zahlreichen Gesamtschulinitiativen zu unterstützen und die im Halbtag befindlichen Gesamtschulen für den Ganztag zu öffnen. Auch dies erfordert erheblichen zusätzlichen Mitteleinsatz der Schulträger. Leider beantwortet Rot-Grün auch in diesem Fall nicht, wie dies vor Ort finanziert werden soll.
- Stichwort: Länger gemeinsames Lernen
Die neue Landesregierung will „das Konnexitätsprinzip umgehungssicher ausgestalten". Ob dies nur eine Absichtserklärung der rot-grünen Minderheitsregierung ist, wird sich spätestens bei der Umsetzung der vorgelegten Schulpläne zeigen. Zwei Handlungsfelder werden hier von zentraler Bedeutung sein. Zum einen die angekündigte Initiative „längeres gemeinsames Lernen" sowie die Schaffung eines „inklusiven Schulsystems". Die Kommunen sind als Schulträger insbesondere für die Schulgebäude verantwortlich. Beide Themenkomplexe werden beträchtliche Investitionen nach sich ziehen. Ob das Land sich ausreichend an den entstehenden Kosten beteiligt, ist fraglich. Unabhängig davon, es gibt es keinen wissenschaftlichen Beleg dafür, dass durch das so genannte längere gemeinsame Lernen (zusammen in den Klassen 1-6) irgendein positiver Effekt erzielt wird. Mehr noch, namhafte Entwicklungspsychologen, wie z.B. Professor Franz E. Weinert aus München sowie die PISA-Forscher, die Professoren Baumert und Köller, warnen sogar ausdrücklich vor einer zu späten Differenzierung.
- Stichwort: Abitur nach acht oder neun Jahren
Bestehende Gymnasien sollen in Absprache mit den Eltern, Schülerinnen und Schülern, Lehrerinnen und Lehrern sowie den Schulträgern für das Schuljahr 2011/2012 entscheiden, ob an dieser Schule das Abitur zukünftig nach 12 oder nach 13 Jahren abgelegt werden soll. Ob eine einmal getroffene Entscheidung zu einem späteren Zeitpunkt nochmals korrigiert werden kann, wird nicht beantwortet. Dass ein schulpolitischer Flickenteppich entsteht, wird billigend in Kauf genommen. Ebenso wird die Frage nicht beantwortet, ob bei der Entscheidung für ein Abitur nach 9 Jahren die entsprechenden notwendigen Stellen zugewiesen werden.
- Stichwort: Grundschulbezirke
Rot-Grün will den Kommunen die Möglichkeit eröffnen, die Grundschulbezirke wieder einzuführen. Allerdings müssen wir in Mülheim sehr genau darauf achten, ob eine Rückkehr zu Grundschulbezirken wirklich Sinn macht.
- Stichwort: Abschaffung von Kopfnoten
Rot-Grün will diese ersatzlos streichen. Erfahrungen zeigen, dass Kopfnoten sowohl Eltern als auch Schülern eine wertvolle Orientierungshilfe geben können.






